Masern
Masern - Komplikationen
- Details
- Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 20. April 2011 13:03
- Geschrieben von Dr. Steffen Rabe
Mittelohrentzündung, Lungenentzündung (viral/bakteriell)
Enzephalitis/Hirnentzündung:
- Häufigkeit:
- Literaturübersichten gehen von einer Häufigkeit von ca. 1 : 15.000 Fälle bei jüngeren Kindern und ungefähr 1 : 1000 Fälle bei Erwachsenen aus (davon 60% Heilung, 25% Dauerschäden, 15% Letalität) (Schaad 1997). Aufgrund der nicht einheitlichen Kriterien für die Diagnose einer Enzephalitis ist eine realistische Einschätzung des Risikos bei dieser oft schwer zu diagnostizierenden Erkrankung schwierig.
- Bei einem epidemischen Ausbruch in den Niederlanden 1999 kam es bei insgesamt 2300 Fällen in insgesamt 17% der Fälle zu Komplikationen (darunter auch 4 Enzephalitiden und 3 Todesfälle) (RKI 2000, WER 2000), eine Epidemie in Irland im Frühjahr 2000 forderte bei 844 Krankheitsfällen 2 Todesopfer (RKI 2000). Auch eine Untersuchung in mehreren anthroposophisch orientierten Arztpraxen ergab bei insgesamt 1001 Fällen eine Komplikationsrate von ca. 15% und auch in dieser Studie war ein masernbedingter Todesfall zu beklagen, Encephalitiden wurden keine beobachtet (Kummer 1999).
- Im Rahmen einer Masernepidemie im Stadtkreis Coburg Ende 2001 kam es bei fast 1200 Erkrankten zu keinen Todesfällen und keiner Enzephalitis, 43 Patienten wurden stationär eingewiesen (RKI 2002) – die für die Epidemie „verantwortlichen“, impfkritischen Kinderärzte, die mit über 800 Patienten den Großteil der Erkrankten behandelten, mussten keinen ihrer Patienten im Krankenhaus behandeln lassen...
- SSPE (Subakut sklerosierende Panenzephalitis – schleichende Hirnentzündung) – diese seltene Komplikation einer schleichend verlaufenden, immer tödlichen Hirnerkrankung ist in ihrer tatsächlichen Häufigkeit unbekannt. Das RKI gibt diese mit einem bis fünf Fälle pro eine Million Erkrankte an, da die SSPE aber erst Jahre nach der Maserninfektion oder Masernimpfung auftritt sind diese Angaben jedoch unsicher. Einer aktuellen britischen Untersuchung zufolge scheint das SSPE-Risiko umso höher zu sein, je jünger die betroffenen Masernkranken sind, das höchste Risiko scheint bei einer Masernerkrankung im ersten Lebensjahr zu bestehen (Miller 2004)
- Dies wäre auch eine mögliche Erklärung dafür, dass in Deutschland in den letzten Jahren mehr SSPE-Fälle als früher beobachtet werden: da als unmittelbare Folge der Masernimpfpolitik zunehmend mehr junge Mütter nicht mehr selbst Masern durchlebten, sondern nurmehr geimpft sind, geben diese an ihre Neugeborenen einen wesentliche schlechteren Nestschutz gegen Masern weiter. Die daraus resultierende höhere Empfänglichkeit von Säuglingen gegen Masern ist mithin unmittelbare Folge der Impfstrategie.
Das RKI geht in aktuellen Merkblättern von einer Sterblichkeit bei Masern von 1 : 10.000 bis 1 : 20.000 Fälle aus (www.rki.de/INFEKT/RATGEBER/RAT.HTM), europaweit wurden in den letzten Jahren jährlich zwischen 7 und 10 Maserntodesfällen gemeldet (MMWR 2004)


